Pressespiegel rund um den Schulsport 2006

Immer mehr übergwichtige Schulkinder in der Schweiz
Kinder haben im Schulalltag zu wenig Bewegung
"Ernährungs- und Bewegungsverwahrlosung" bei Kindern nehmen zu
Den Luzerner Schülern soll es an den Speck gehen
Kinder brauchen 90 Minuten Bewegung pro Tag
Fernsehen stört Entwicklung von Kindern
Auf zum Traumsport
Mindestens eine Stunde täglich
Gravierende Bewegungsdefizite in der Bevölkerung
Jahr des Sports: Über 3000 Anlässe in der Schweiz
Mehr Bewegung bringt bessere Schulleistungen
Die Geschichte eines einsamen Einrades im Geräteraum
Mehr Freizeit für Kinder
Kinder brauchen fünf Stunden Sport pro Woche



Immer mehr übergwichtige Schulkinder in der Schweiz

Immer mehr Kinder in der Schweiz sind zu dick. Markus Dürr, Präsident der Gesundheitsdirektoren-Konferenz (GDK), schlägt deshalb Massnahmen im Kampf gegen das Übergewicht von Kindern vor. Unter anderem fordert er ein Fahrverbot an Schulen.

[sda] - Die Zunahme der Fettleibigkeit in der Bevölkerung sei gravierend, sagte der Luzerner Gesundheitsdirektor, Regierungsrat Dürr in einem Interview mit der "Neuen Luzerner Zeitung".

Dürr spricht von einer "Übergewichtsepidemie". In der Schweiz seien 2,2 Millionen Menschen übergewichtig, diese Zahl nehme jährlich um 50 000 zu. Darüber sei er sehr besorgt.

Dürr fordert nun, ein Fahrverbot rund um Schulhäuser zu prüfen. Das Verbot solle nicht generell gelten. Davon betroffen wären Personen, die in einem Umkreis von 2 Kilometern wohnen und ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Das Fahrverbot soll ebenso für Töffli gelten.

Weiter sollen laut Dürr Schulbusse erst ab einem Umkreis von fünf Kilometern Entfernung zum Einsatz gelangen. Der Gesundheitsdirektor verlangt zusätzlich, dass in Schulen Süssigkeitsautomaten entfernt werden. Denkbar wäre für ihn sodann ein obligatorisches Morgenturnen in den Schulen.

Gegenwärtig sei davon auszugehen, dass jedes vierte Kind übergewichtig sei. Die Gründe hierfür seien immer die gleichen, nämlich falsche Ernährung und Bewegungsmangel, sagte Dürr.

Ein Fahrverbot zur Schule innerhalb eines gewissen Rayons dürfte einen schweren Stand haben. Juristisch lässt es sich kaum durchsetzen.

24.11.06, Quelle: www.bluewin.ch


Kinder haben im Schulalltag zu wenig Bewegung

Kinder bewegen sich nur noch halb so viel wie vor 20 Jahren, und sie sitzen bis zu zehn Stunden täglich. Am Mitwoch haben Experten in Chur zu mehr bewegungsfördernden Aktivitäten im Schulalltag aufgerufen.

von Susanne Turra

Chur. - «Was ist mit uns passiert?» Rudolf Kunz, Vizepräsident der FDP-Chur und Mitglied der FDP Arbeitsgruppe Sport, brachte es am Mittwochabend gleich zu Beginn des Themenparteitages «Sport» der FDP auf den Punkt. Ein Grossteil der Kinder sei übergewichtig, haltungsschwach und leide unter psychosomatischen Störungen. Das sei natürlich auch bei den Erwachsenen nicht anders, so Kunz. Denn: «Die Kinder halten uns den Spiegel vor Augen.» Heute bewegten sich Kinder nur noch halb so viel wie vor 20 Jahren und sie würden bis zu zehn Stunden täglich sitzen, betonte Kunz weiter. «Aber kann denn die Schule überhaupt eine Bewegungswerkstatt werden?»

Eine Stunde Bewegung im Tag

«Bewegungsförderung und Bewegungserziehung gehören zum Bildungsauftrag der Schule. Sportunterricht ist ebenso Teil davon wie weitere bewegungsfördernde Aktivitäten im Schulalltag in einem bewegungsfreundlichen Umfeld.» So steht es in einer Erklärung der Schweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz von Ende Oktober 2005 geschrieben. Wenn der Sport in der Schule einen Platz haben soll, dann müssten ein Beitrag zur Gesundheit, ein klarer Bildungsbeitrag und eine intellektuelle sowie körperliche Leistung erbracht werden können, betonte dazu Walter Mengisen, Stellvertretender Direktor des Bundesamtes für Sport. «Jeder sollte sich pro Tag mindestens eine Stunde lang bewegen.» Erschreckend sei, dass sich ein Drittel der Gesellschaft überhaupt nicht bewege.
Anhand verschiedener wissenschaftlicher Studien belegte Mengisen in der Folge, dass verbesserte Beweglichkeit und Ausdauer zu mehr Ausgeglichenheit und Motivation und schliesslich zu besserem Teamwork, Fairplay und Respekt in der Gesellschaft führten. Und: «Turnen und Sport ist nicht nur Ausgleich, sondern unterstützt die akademischen Leistungsfächer und wirkt stimmungsaufhellend.»

Pausenaktivitäten verbessern

Von der wissenschaftlichen auf die praktische Seite wechselte dann Andrea Darms, Schulrat und Kantonsschullehrer für Sport und Deutsch in Chur. Er berichtete den Anwesenden über seine persönlichen Eindrücke und Beobachtungen zur Bewegung im Schulalltag der Bündner Kantonsschule und der Primarschule Masans. Bei der Oberstufe sei die Bewegungsbereitschaft der Schüler zwar vorhanden und der Wettkampf und die Bewertung seien durchaus erwünscht. Gleichzeitig fehlten heute aber der Willen und die Übungsbereitschaft der Schüler, so Darms.
Wie in der Oberstufe müsse auch in der Unterstufe die Bewegung an der Schule gefördert werden, betonte Darms weiter. So bestehe etwa auch in Masans Handlungsbedarf bei der Pausenplatzgestaltung und den Pausenaktivitäten. Doch das Schulhaus Masans erhielt auch gute Noten von Darms. So lobte er das Turnprojekt «Mut tut gut», nach welchem die Primarschüler turnen würden.

Mutige Kinder in St. Moritz

Gute Möglichkeiten für vermehrte Bewegung an Schulen konnte schliesslich Reto Matossi, Schulleiter und Sportlehrer aus St. Moritz, aufzeigen. In einem äusserst lebendigen Vortrag informierte er die Anwesenden über verschiedene spezielle Aktivitäten, die in St. Moritz neben dem obligatorischen Turnunterricht angeboten werden. «Wir sind in einer Region, in welcher der Sport einen hohen Stellenwert hat», sagte Matossi. So werden neben Schwimmen und Skifahren unter anderem auch Skispringen, Eishockey, Langlauf, Duathlon und Triathlon angeboten. Aber auch die Bewegung in der Schule soll aktiv gefördert werden. «Wie wärs mit Rechnen auf der Treppe, Schreiben auf dem Pausenplatz oder akrobatischen Pausen während der Lektionen?» fragte Matossi. In diesem Bereich hätte man allerdings auch in St. Moritz noch Probleme mit den Lehrpersonen.
Kein Problem hat St. Moritz indessen mit mutigen Kindern. «Von 300 Schülern springen 270 die Sprungschanze hinunter», betonte Matossi nicht ohne Stolz. «Das braucht Mut. Das ist fantastisch.»

10.11.2006, Quelle: http://www.suedostschweiz.ch


"Ernährungs- und Bewegungsverwahrlosung" bei Kindern nehmen zu

Alarm schlagen Kinderärzte und Sportpädagogen schon seit Jahren, aber reagiert und gehandelt haben nur die wenigsten politisch Verantwortlichen: Dass deutsche Kinder immer dicker, kränker und motorisch auffälliger werden, sind nun keine neuen Erkenntnisse.

In den letzten Jahren sind viele Studien vorgelegt worden, die diese Thematik aufgriffen und den Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung, Bewegung und ganzheitlicher Entwicklung von Kindern belegten. Auch die "Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (Kiggs), die kürzlich vorgestellt wurde, zeigt einmal mehr gesunde Ernährung und Bwegung tun Not.

"Die Bombe tickt"

Zwar beruhigt Kiggs-Leiterin Bärbel-Maria Kurth vom Robert-Koch-Instiut (RKI) in Berlin: „Insgesamt ist der Gesundheitszustand besser als vermutet.“ Wer sich aber in die Zahlen vertieft, der versteht die Aussage des Kinderarztes Rolf Jütte, der sich täglich mit den Folgen von „Ernährungs- und Bewegungsverwahrlosung“ bei Kindern auseinandersetzen muss. „Die Bombe tickt - zusammengesetzt aus Chips, Hamburgern und Fritten, Computerspielen, Dauerfernsehen und mangelnder Bewegung.“ In einer Gesellschaft, die mit Diät- und Kochsendungen überfüttert wird, ist es schon paradox, dass ausgerechnet bei Kindern das Thema Ernährung und Bewegung besonders auch von Eltern vernachlässigt wird. 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren sind übergewichtig, 6,3 Prozent fettleibig. Je älter die Kinder werden, umso mehr Pfunde bringen die Übergewichtigen auf die Waage. Bei den Drei- bis Sechsjährigen sind es neun Prozent, bei den 14- bis 17jährigen schon 17 Prozent. Und Essstörungen nehmen weiter zu: 20 Prozent der Jungen und Mädchen leiden heute unter Magersucht oder Bulimie.

Rückwarts laufen wird zum Problem

Zwar geben 95 Prozent der bundesweit rund 18.000 befragten Kinder und Jugendlichen bis 17 Jahre an, sich wohl zu fühlen, wozu auch beispielsweise das tägliche Spielen im Freien gehört, was laut Studie 77 Prozent der Drei- bis Zehnjährigen tun. Über die Hälfte treibt mindestens einmal pro Woche Sport, und 58 Prozent sind Mitglied in einem Sportverein. Aber da ist dann die andere Seite: motorische Defizite. Rückwärts laufen ist ein Problem, rückwärts auf einem Balken balancieren wird für ein Drittel der Mädchen und Jungen zu  einer unlösbaren Aufgabe. Bei der Rumpfbeuge mit den Fingerspitzen die Füße zu berühren, das schaffen 43 Prozent nicht. Und: Koordinationsübungen werden zu einer Höchstschwierigkeit.

Gesunde Ernährung und Bewegung abhängig vom Bildungsniveau

Auch die Kiggs-Studie belegt, dass zwischen dem ökonomischen Standard sowie dem Bildungsniveau des Elternhauses und der Gesundheit der Kinder ein Zusammenhang besteht. Kinder aus sozial schwachen Familien haben häufiger Essstörungen und Übergewicht, treiben eher weniger Sport und zeigen häufiger psychische Auffälligkeiten.

Dagegen scheinen diese Kinder weniger anfällig für Allergien zu sein: Insgesamt sind Kinder aus gut situierten Elternhäusern häufiger daran erkrankt als Kinder mit sozial schwachem Hintergrund. 16,7 Prozent Kinder und Jugendlichen sind akut von Allergien betroffen, Jungen mit 18 Prozent häufiger als Mädchen (15,4). Je mehr Geschwister ein Kind hat und je früher es Kontakt mit anderen Kindern etwa in Betreuungseinrichtungen hat, desto seltener treten Allergien auf. Das Immunsystem wird trainiert.

Thema der deutschen EU-Ratspräsidentschaft

Staatssekretärin Caspers-Merk sah die Ergebnisse der Studie, die 2007 vollständig veröffentlicht werden soll, als „Frühwarnung“ und eine Art Leitfaden, wo Gesundheitsprävention ansetzen sollte. Bund und Länder müssten jetzt an einem Strang ziehen und in Kindergärten, Schulen, Vereinen ihre Angebote verbessern. Allein die mittelbaren Folgekosten bei „Adipositas“ (Fettleibigkeit) von Kindern auf das deutsche Gesundheitssystem werden auf zwölf Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Wenn es ums Geld geht, werden Politiker wohl hellhörig. Vielleicht beeindrucken sie ja auch Folgeschäden, die  Fetteibigkeit auslösen kann: Hüft- und Gelenkschäden, Diabetes, Gallensteine, Fettleber, Nierenschäden.

Auch in der Europäischen Union sind die Verantwortlichen endlich wach geworden - aus vielen Ländern, besonders aus Südeuropa, kommen immer mehr alarmierende Meldungen, dass die Kinder dicker und kränker werden. Die Bundesregierung, so Caspers-Merk, werde das Thema „Ernährung und Bewegung“ auch zu einem Schwerpunkt der EU-Ratspräsidentschaft im nächsten Jahr machen. Die EU hat sich des Themas bereits angenommen. Sie unterstützt mit 15 Millionen Euro das Forschungsprojekt IDEFICS (Identification and prevention of dietary- and lifestyle-induced health effects in children and infants). Fünf Jahre lang sollen 20.000 Zwei- bis Zehnjährige in Kindergärten und Schulen europaweit in die Studie zum Thema Übergewicht einbezogen werden. Am Ende wollen die 50 beteiligten Wissenschaftler Richtlinien vorschlagen, die in die Praxis umgesetzt werden könnten.

9.10.2006, Quelle: http://www.dosb.de


Den Luzerner Schülern soll es an den Speck gehen

Eine ETH-Studie untersuchte die Beweglichkeit von Erstklässlern in Zürich – mit erschreckendem Resultat. Nun soll auch die Fitness der Luzerner Kids geprüft werden.

«Jedes fünfte Schulkind ist übergewichtig», sagt FDP-Grossrätin Ruth Keller. Sie hat darum beim Luzerner Regierungsrat einen Vorstoss eingereicht: Es soll festgestellt werden, wie fit die Luzerner Kinder sind und was der Regierungsrat unternimmt, um die Beweglichkeit und Fitness der Kinder in der Schule zu fördern. «Es geht darum, den aktuellen Zustand zu erfassen und – je nach Ergebnis – politische Forderungen zu stellen», so Keller weiter.

Dass es mit der Motorik der Kinder nicht zum Besten steht, bestätigt Stefan Felder, Sportlehrer an der Kantonsschule Luzern: «Der Bewegungsmangel nimmt aufgrund eines veränderten Freizeitverhaltens und falscher Ernährung zu.» In der Oberstufe hätten viele Schüler ein «unharmonisches Verhältnis» zu ihrem Körper.

Wie positiv Bewegung wirken kann, zeigt ein Versuch am Schulhaus Geissenstein in Luzern: Seit einem Jahr haben dort die Primarschüler täglich eine Stunde Sportunterricht. Schulleiterin Irène Schwander bilanziert: «Das ist eine gute Sache. Es hat die Freude an der Bewegung geweckt, und die Konzentration im Unterricht hat erst noch zugenommen.»

August 2006, Quelle: Daniela Gigor, http://www.20min.ch


Kinder brauchen 90 Minuten Bewegung pro Tag

"Sitzender Lebensstil" führt zu Übergewicht

Die aktuellen englischen Rahmenempfehlungen vom Department of Health http://www.dh.gov.uk befürworten eine Stunde Bewegung täglich. Eine kürzlich erschienene Studie vom Fachmagazin Lancet http://www.thelancet.com belegt jedoch, dass nur eines von zehn Kindern im Schulalter diese Vorgaben erfüllt. Um sich vor Herzkrankheiten und Fettleibigkeit zu schützen, sollten Kinder sich mindestens 90 Minuten über den ganzen Tag verteilt bewegen, so die Wissenschaftler.

Der aktuelle Trend zum Bewegungsmangel setzt sich fort, die Hälfte aller Kinder in England könnten bis 2020 an Fettleibigkeit erkrankt sein. Gründe hierfür sehen die Forscher im "sitzenden Lebensstil", der durch die Eltern gefördert wird - wie beispielsweise durch das zur Schule fahren mit dem Auto. Besser wäre es aber, wenn die Kinder den täglichen Schulweg zu Fuß oder per Rad nehmen. Außerdem sollten Kinder in der Mittagspause herumlaufen oder in der Freizeit Sport betreiben, empfehlen die Forscher.

In der Studie wurden 1.730 Kinder im Alter zwischen neun und 15 Jahren in Schulen von Dänemark, Estland und Portugal beobachtet. Zwei Wochen lang haben die Kinder ein Messgerät tragen müssen, mit der ihre physikalische Aktivität aufgezeichnet wurde. Die Forscher fanden heraus, dass je weniger sich die Kinder bewegten, desto höher ihr Risiko zu einer Herz-Kreislauf-Erkrankung war. Das geringste Risiko hatten neun Jahre alte Kinder, die sich 116 Minuten am Tag mäßig bis stark bewegten sowie 15-jährige die sich 88 Minuten täglich bewegten. Dies entspricht einer Laufgeschwindigkeit von vier Kilometern pro Stunde in einer Zeit von 90 Minuten.

24.7.06, Quelle: http://www.pressetext.at/


Fernsehen stört Entwicklung von Kindern

Übergewicht und Verhaltensauffälligkeiten häufig die Folge

Kinder, die einen eigenen Fernseher im Zimmer haben, weisen häufig Störungen in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung auf. Nach Aussagen der Stiftung für Kindergesundheit http://hauner.klinikum.uni-muenchen.de/kindergesundheit, erhöht sich das Risiko für schulische Schwächen und Übergewicht durch häufiges und längeres Fernsehen. Es gebe immer mehr Nachweise dafür, dass der Anteil des Fernsehkonsums mit Bewegungsmangel, Übergewicht, Verhaltensauffälligkeiten, Leseschwächen sowie einer insgesamt verzögerten mentalen Entwicklung korreliert, so Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung für Kindergesundheit.

Laut einer Umfrage des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen haben 36,1 Prozent der Kinder in der vierten Schulstufe einen eigenen Fernseher im Zimmer. 36 Prozent besitzen einen PC, 26,8 Prozent eine Spielkonsole und 22,4 Prozent einen Videorecorder. Im Schnitt sieht ein Schüler, der ein eigenes TV-Gerät im Zimmer hat zwei Stunden und 17 Minuten an Schultagen fern. An freien Tagen sind es sogar drei Stunden und 24 Minuten. Kinder ohne eigenen Fernseher hingegen verbringen mit einer Stunde und 23 Minuten bzw. zwei Stunden und zehn Minuten deutlich weniger Zeit vor dem Flimmerkasten.

Durch das häufige Missverhältnis zwischen Kalorienaufnahme und Kalorienverbrauch entsteht das Übergewicht bei Kindern, die viel Zeit vor dem Fernseher verbringen. Aber auch andere negative Auswirkungen sind zu beobachten. Einer neuseeländischen Studie zufolge erreichen Kinder, die im Alter von fünf bis 15 Jahren zu den Vielsehern zählen, später einen schlechteren Schulabschluss. Allein in Deutschland leiden zudem zwei bis sechs Prozent der Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren an einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS), die oft auf übermäßigen Fernsehkonsum zurückzuführen ist. Je mehr Zeit und umso früher ein Kind vor dem Fernseher sitzt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es an ADS leidet, so das Fazit einer Untersuchung der Universität Seattle.

Fernsehen ist heute vielmals die liebste Freizeitbeschäftigung von Kindern. Die Stiftung für Kindergesundheit rät Eltern daher, den TV-Konsum des Nachwuchses zu kontrollieren und zu reduzieren. Die Programme, die sich ein Kind anschaut, sollten außerdem altersgerecht gewählt werden. Eine Stunde Fernsehen pro Tag sei für ein Kind im Alter von zehn bis elf Jahren genug. Koletzko ruft die Eltern auch dazu auf, in jedem Fall für ausreichend Bewegungsmöglichkeiten ihrer Kinder zu sorgen, um einen nötigen Ausgleich herzustellen.

18.7.06, Quelle: http://www.pressetext.at/


Auf zum Traumsport

Kinder bewegen sich von Natur aus gern. Und noch lieber, wenn sie dabei ein Talent ausleben können. Ein neues Förderprogramm hilft, die Sportart ihres Herzens zu entdecken.

Fröhliche Rufe und Schreie erfüllen die Turnhalle in Zürich Oerlikon. Kinder in hellblauen T-Shirts rennen herum, klettern, hüpfen. Einige üben Seilspringen, andere jonglieren, balancieren oder zielen mit dem Ball gegen die Sprossenwand. In jeder Gruppe geben zwei Turnlehrer Anweisungen und Hilfe.

Was von der Zuschauertribüne aus wie ungezwungenes Herumtollen aussieht, ist ein ausgeklügeltes Trainingsprogramm für bewegungsbegabte Kinder. «Talent Eye» heisst das Pilotprojekt, das von der Stadt Zürich zusammen mit Swiss Olympic Talents und dem Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der ETH durchgeführt wird. Ein ähnliches Programm läuft in den Kantonen Basel-Stadt und Baselland.

Spielerisch trainieren
Von Drill und Schinderei ist bei dieser neuen Art von Talentschmiede keine Spur. «Das Kind steht im Zentrum des Kurses, nicht die Leistung», sagt der Leiter von Talent Eye, Dave Moser. «Es soll Kind sein können und Freude am Training haben.» Auf spielerische Art werden die motorischen und koordinatorischen Fähigkeiten gefördert.

Gut möglich, dass unter den rund 60 Buben und Mädchen in der Oerliker Turnhalle einige zukünftige Spitzensportler sind. Denn Talent haben diese Kinder alle: Sie wurden durch einen Reihentest unter allen Erstklässlern der Stadt Zürich ermittelt und zu diesem Programm eingeladen.

18 Disziplinen zur Wahl
Vielseitigkeit heisst die neue Losung in der Sportförderung. Das bedeutet, dass sich talentierte Kinder zum Beispiel nicht schon mit sieben auf eine Sportart festlegen sollen. Denn eine frühe Spezialisierung sei nur in wenigen Disziplinen wie Kunstturnen oder Eiskunstlauf empfehlenswert, weiss Moser.

Wer in mehreren Sportarten gut sei, habe langfristig eher Erfolg und sei motivierter. «Roger Federer hat auf hohem Niveau Fussball gespielt, bevor er sich für Tennis entschied», nennt er ein prominentes Beispiel. Während der anderthalb Jahre des Kurses lernen die Kinder 18 Sportarten und -vereine kennen, um herauszufinden, welches «ihre» Sportart ist.

Thore will jetzt tanzen
Der achtjährige Thore hat auf diese Weise eine Leidenschaft entdeckt, die nicht unbedingt nahe liegend ist: Tanzen. Der Blondschopf interessiert sich auch für Fechten und Tennis, doch wenn im Sommer der Talent-Eye-Kurs für ihn zu Ende ist, will er eine Schule für modernen Tanz besuchen.

Dass Thore ein Bewegungskind ist, zeigte sich früh. Seine Mutter Wibke Reigber, die selber Leichtathletin war, findet Talent Eye eine tolle Sache. «Es ist nämlich schwierig herauszufinden, was dem Kind wirklich liegt», sagt sie. Obwohl es für die allein erziehende Mutter mit organisatorischem Aufwand verbunden ist, das Kind zweimal pro Woche nach Zürich Oerlikon zu begleiten, hat sich der Einsatz gelohnt: «Thore hat sich nicht nur sportlich verbessert, sondern in dieser Zeit auch einen grossen Schritt in seiner Persönlichkeitsentwicklung gemacht», stellt die Mutter fest.

Bewegung ist für die gesamte Entwicklung der Kinder wichtig. Leistungssport hat jedoch wegen Auswüchsen wie Doping, athletischer Magersucht und Überbeanspruchung des Körpers bei vielen Eltern einen schlechten Ruf.

Hilfsbereitschaft einüben
Moser kennt die Gefahren des Spitzensports. Bei richtigem Training sieht er für Kinder, die Sport treiben, aber vor allem positive Auswirkungen. Er findet: «Verhaltensformen wie Fairness, Grenzen erreichen und akzeptieren und Hilfsbereitschaft kann man nirgends so gut einüben wie im Sport.»

Genügend Bewegung ist nicht nur für sportlich ambitionierte Kinder wichtig. Anna Sax, Herausgeberin des kürzlich erschienenen «Familienratgebers Sport» (siehe Box unten), beobachtet, dass es trotz breiten Angebots eine recht grosse Gruppe Kinder gibt, die sportlich fast nichts macht. Dabei ist den Kindern der Bewegungsdrang angeboren. Deshalb der Ratschlag von Anna Sax an die Erwachsenen: «Hindert die Kinder nicht daran, sich zu bewegen!»


29.5.06 Quelle: www.migrosmagazin.ch Text Lisa Inglin


Mindestens eine Stunde täglich!

Bewegungsempfehlungen des BASPO und des BAG für Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche brauchen mindestens eine Stunde Bewegung und Sport täglich. Dies postulieren Matthias Remund, Direktor des Bundesamtes für Sport (BASPO) und Prof. Thomas Zeltner, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) in einer gemeinsamen Empfehlung der beiden Ämter, die heute anlässlich einer Presskonferenz in Bern und an der 3. Bildungskonferenz Sport in Magglingen präsentiert wurde. Auf dem Hintergrund einer beunruhigenden Zunahme des Übergewichts und des fortschreitenden Bewegungsmangels, auch bei Kindern und Jugendlichen, bieten die Empfehlungen eine Orientierungshilfe zur Entwicklung von konkreten Massnahmen.

Regelmässige Bewegung, kombiniert mit einer ausgewogenen Ernährung, ist eine Grundvoraussetzung für Gesundheit und Leistungsfähigkeit und ein gesundes Körpergewicht. Für Erwachsene haben das BAG und das BASPO bereits 1999 gemeinsame Bewegungsempfehlungen entwickelt: Eine halbe Stunde Bewegung pro Tag mit mittlerer Intensität sind mindestens nötig, um Gesundheit, Lebensqualität und Leistungsfähigkeit günstig zu beeinflussen. Neu haben die beiden Ämter entsprechende Empfehlungen für Kinder und Jugendliche erarbeitet, die heute von den Direktoren Prof. Thomas Zeltner (BAG) und Matthias Remund (BASPO) erstmals präsentiert wurden.

Kinder und Jugendliche gegen Ende des Schulalters sollten sich täglich während mindestens einer Stunde bewegen oder Sport treiben; jüngere Kinder noch deutlich mehr. Um dies zu erreichen, bieten sich eine Fülle von Sport- und Alltagaktivitäten an. Für eine optimale Entwicklung ist ebenfalls ein vielseitiges Bewegungs- und Sportverhalten nötig. Gefordert sind Aktivitäten, die die Knochen stärken, die den Herz-Kreislauf anregen, die Muskeln kräftigen, die Beweglichkeit erhalten und die Geschicklichkeit verbessern. Für Tätigkeiten ohne körperliche Aktivität, die länger als zwei Stunden dauern, empfehlen die beiden Bundesämter regelmässige Unterbrechungen durch kurze «Bewegungspausen».

Neben der positiven Wirkung auf die Gesundheit können die verschiedenen Sport- und Bewegungsformen zudem das Bewegungsrepertoire erweitern, Freude und Spass vermitteln und zu einer positiven Einstellungen gegenüber Bewegung und Sport auch im Hinblick auf das Erwachsenenleben beitragen.

Die gemeinsamen Empfehlungen des BAG und des BASPO sind Zielvorgaben zur Entwicklung von Bewegungs- und Sportaktivitäten im Rahmen der Gesundheitsförderung. Um die Gesundheit und das Bewegungsverhalten der Kinder und Jugendlichen in der Schweiz zu verbessern, müssen entsprechende Massnahmen entwickelt und bestehende Angebote kritisch überprüft werden. Das BAG und das BASPO wollen dies in den kommenden Monaten zusammen mit Gesundheitsförderung Schweiz und weiteren wichtigen Partnern im Rahmen der Entwicklung eines Massnahmenpakets Ernährung und Bewegung tun.

Weitere Informationen finden Sie unter www.baspo.ch


Gravierende Bewegungsdefizite in der Bevölkerung

Zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung bewegen sich aus gesundheitlicher Sicht zu wenig. Allerdings sind nicht alle Bevölkerungsgruppen vom Bewegungsmangel gleich stark betroffen. Obwohl der Bewegungsmangel im Alltag weiter zunimmt, kann die Bewegungsförderung auch erste Erfolge verbuchen. Die soeben vom Bundesamt für Statistik (BFS) zusammen mit dem Bundesamt für Sport (BASPO) veröffentlichte Studie unterstreicht nicht nur die positiven Gesundheitseffekte von Bewegung und Sport, sie fördert auch gravierende Bewegungsdefizite zu Tage.

Bewegungsmangel bisher eher unterschätzt
Der Bewegungsmangel wurde bislang in der Schweiz eher unterschätzt. Nur ein guter Viertel der Bevölkerung (27%) erfüllt die Empfehlungen für ein sportliches Ausdauertraining mit mindestens drei intensiveren Bewegungseinheiten pro Woche. Weitere 9 Prozent machen zwar kein regelmässiges Ausdauertraining, kommen aber den Basisempfehlungen immerhin insofern nach, als sie während mindestens 30 Minuten täglich durch körperliche Aktivitäten im Alltag oder beim Sport zumindest ein bisschen ausser Atem geraten. Die restlichen fast zwei Drittel der Bevölkerung erfüllen die Empfehlungen für ein gesundheitswirksames Bewegungsverhalten nicht. Ein wesentliches Element eines gesunden Bewegungsverhaltens stellt der Sport dar. Die Hälfte der Schweizer Bevölkerung betätigt sich mindestens einmal pro Woche sportlich und gerät dabei mehrheitlich nicht nur ausser Atem, sondern auch ins Schwitzen. Bei der Erwerbs-, Haus- und Gartenarbeit kommt dagegen nur noch ein guter Viertel der Bevölkerung regelmässig ins Schwitzen. Immerhin die Hälfte der Bevölkerung bewältigt zumindest einen Teil der täglichen Wegstrecken zu Fuss oder mit dem Velo. Mit Blick auf die Gesundheitsförderung lassen aber Dauer und Intensität dieser alltäglichen Bewegungsaktivitäten in vielen Fällen zu wünschen übrig.

Grosse soziale und regionale Unterschiede
Mit dem Alter nimmt der Bewegungsmangel zu. Ein deutlicher Rückgang der körperlichen Aktivitäten zeigt sich zwischen dem 20. und 30. Altersjahr sowie nach dem 74. Altersjahr. In jungen Jahren sind die Männer deutlich aktiver als die Frauen. Da danach aber das Aktivitätsniveau bei den Frauen weniger steil abfällt, zeigen Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 65 Jahren ein vergleichbares Bewegungsverhalten. Ab dem 65. Lebensjahr nehmen die körperlichen Aktivitäten beim Sport und bei der Arbeit zwar ab, dafür sind aber Frauen und Männer (wieder) häufiger zu Fuss unterwegs. Mit dem sozialen Status steigt auch das Aktivitätsniveau an: Personen mit einem mittleren oder hohen Bildungsniveau sowie einem überdurchschnittlichen Haushaltseinkommen weisen ein besseres Bewegungsverhalten auf als Personen aus tieferen sozialen Lagen.

Unterdurchschnittlich ist zudem das Bewegungsniveau der ausländischen Wohnbevölkerung, wobei die Bewegungsdefizite bei den 15- bis 34-jährigen Ausländerinnen besonders gross sind. In der Deutschschweiz ist der Bewegungsmangel weniger ausgeprägt als in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz. Am aktivsten ist die Bevölkerung im Kanton Zug, die meisten Inaktiven weist der Kanton Tessin auf. In den städtischen Gebieten werden die täglichen Wegstrecken weit häufiger zu Fuss oder mit dem Velo zurückgelegt als in ländlichen Regionen.

Bewegungsmangel im Alltag nimmt weiter zu
Der Vergleich mit den früheren Gesundheitsbefragungen zeigt, dass der Bewegungsmangel insgesamt zwischen 1992 und 1997 markant zugenommen hat. Seither konnte der Negativtrend jedoch gestoppt werden, und in der Deutschschweiz – nicht aber in der Romandie und im Tessin – zeichnet sich eine eigentliche Trendwende ab. Die Unterschiede zwischen den Sprachregionen haben sich in den vergangenen zehn Jahren eindeutig vergrössert. Entgegen dem Gesamttrend nimmt der Bewegungsmangel im Alltag jedoch weiter zu. Die Zahl der Personen, die auf den täglichen Wegstrecken nie zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs sind, ist zwischen 1997 und 2002 noch angewachsen. Bei den Frauen lässt sich feststellen, dass sie sich bezüglich der Bewegung im Alltag den tieferen Werten der Männer annähern, die daraus entstehenden Bewegungsdefizite dafür vermehrt durch sportliche Aktivitäten kompensieren. Aktive Personen leben und fühlen sich gesünder Unabhängig vom Alter und Geschlecht weisen Personen, die sich regelmässig bewegen, ein höheres Gesundheitsbewusstsein und ein besseres Gesundheitsverhalten auf. Sie rauchen weniger, ernähren sich gesünder und haben auch weniger häufig Übergewicht. Körperlich aktive Personen erfreuen sich zudem einer besseren physischen und psychischen Gesundheit und leiden weniger an körperlichen Beschwerden als Inaktive. Dafür verunfallen Personen, die sich regelmässig bewegen, „naturgemäss“ öfter bei Sport und Spiel als wenig aktive und inaktive Personen. Letztere erleiden aber die schwereren Unfälle und verursachen dabei unabhängig vom Alter und vom Beruf ähnlich viele Ausfalltage wie Personen, die sich regelmässig bewegen. Im Endeffekt verursachen 1000 Aktive nicht viel mehr Ausfalltage durch Unfälle bei Sport und Spiel als 1000 Inaktive.

Quelle: Bundesamt für Statistik www.statistik.admin.ch 11.04.2006


Jahr des Sports: Über 3000 Anlässe in der Schweiz

Bundesrat und Sportminister Samuel Schmid würdigte das Engagement des Bundes und diverser Partner im Rahmen des Internationalen Jahrs des Sports und der Sporterziehung 2005. Die beispielhafte Zusammenarbeit zwischen Bundesämtern, Kantonen, Gemeinden und weiteren Partnern resultierte in mehr als 3000 Anlässen. Ein Teil der Aktivitäten wird auch in Zukunft weitergeführt.

2005 war für den Sport ein besonderes Jahr: das Internationale Jahr des Sports und der Sporterziehung. Die Schweiz hat die UNO-Resolution, welche die Mitgliedstaaten aufruft, den Sport als Mittel zur Förderung von Gesundheit, Bildung, Entwicklung und Frieden zu nutzen, gut umgesetzt. Bundesrat Samuel Schmid betonte, dass damit ein klares Bekenntnis zu den Werten des Sports abgegeben werden konnte – die grosse Anzahl von Aktionen, Projekten und Veranstaltungen illustriert dies in beeindruckender Weise. Er dankte speziell den Partnern wie dem Bundesamt für Gesundheit (BAG), dem Bundesamt für Umwelt (BAFU), der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), der Eidgenössischen Sportkommission (ESK) und Swiss Olympic für die gute Zusammenarbeit. Die Bündelung der Kräfte war eine der grossen Stärken des Schweizer Komitees.
Die Schweiz hat sich national und international engagiert. Unter dem Motto «Mehr Bewegung» wurden zahlreiche Projekte lanciert. Neben den erwähnten Partnern waren auch Kantone, Gemeinden, Verbände und Vereine aktiv: insgesamt wurden in der ganzen Schweiz über 3000 Anlässe im Bereich von Sport und Bewegung organisiert. International fokussierte sich das Engagement auf die Möglichkeiten des Sports als Mittel zur Förderung von Entwicklung und Frieden. Ein Höhepunkt des Jahrs war dabei die 2. Internationale Magglinger Konferenz zu Sport und Entwicklung im Dezember 2005.
Matthias Remund, Direktor des Bundesamtes für Sport BASPO wies darauf hin, dass erfolgreiche Teilprojekte fortgesetzt und nachhaltig wirken sollen. Auch die bestehende Zusammenarbeit der Partner soll weiter gefördert und intensiviert werden.

Quelle: www.baspo.ch


Mehr Bewegung bringt bessere Schulleistungen

Leipzig (rpo). Schüler, die sich in der Schule viel bewegen, bringen bessere Leistungen und zeigen ein besseres Sozialverhalten. Das ergab eine weltweit einmalige Studie der Universität Leipzig. In einer Langzeitbeobachtung hatte ein Team um Projektleiterin Christina Müller untersucht, inwieweit sich die Umsetzung des Konzepts "Bewegte Schule" positiv auf die Schüler auswirkt.

Nach Angaben der Wissenschaftlerin kann jungen Menschen auch in Fächern wie Deutsch, Chemie oder Mathematik körperliche Bewegung ermöglicht werden. Dadurch würden zwar Kraft und Ausdauer nicht gestärkt, die Vorteile zeigten sich aber in anderen Bereichen: "Die Konzentrationsfähigkeit nimmt zu, die Schüler zeigen ein besseres Sozialverhalten, das Lehrer-Schüler-Verhältnis verbessert sich", fasst Müller die Ergebnisse zusammen. Hinzu komme, das die Schüler mehr Schul- und Lernfreunde entwicklen. "Diese Ergebnisse sollten uns auch im Zusammenhang mit dem Abschneiden deutscher Schüler in der internationalen Pisa-Studie nachdenklich machen", sagt die Professorin.

Ein neues Nachdenken verlangt Müller auch mit Blick auf den Schulsport. In 80 Prozent aller Grund- und Hauptschulen werde der Sportunterricht nicht von Fachlehrern geleitet. Häufig werde das Konzept verfolgt, dass ein Lehrer für alle Fächer zuständig sei. "So sinnvoll das pädagogisch bei manchen Fächern sein mag, beim Kunst-, Religions- oder Sportunterricht sollte man diesen Ansatz nicht verfolgen", meint Müller und fügt hinzu: "Wie soll jemand Sportunterricht geben, der privat nicht einmal über ein paar Turnschuhe verfügt?" Gerade in Grundschulen gehörten die am besten ausgebildeten Sportlehrer, fordert sie.

Die Professorin verlangt, die Konzepte des Schulsports zu überprüfen. So sei nicht hinnehmbar, dass für den Sportunterricht keine Qualitätstandards definiert seien. Dabei hätten in der so genannten Sprint-Studie zum Sportunterricht in Deutschland fast drei Viertel aller Schüler angegeben, sie gingen gerne zum Sportunterricht. Schulleiter und mehr als 80 Prozent der Eltern sähen den Schulsport als bedeutungsvoll an. "Die Schüler wollen gefordert werden und sich anstrengen, sie wollen ihre sportliche Leistung sowie die Gesundheit und Fitness verbessern", betont Müller. Daran sollte bei der Erarbeitung neuer Schulsportkonzepte gedacht werden.

Quelle: www.rp-online.de


Die Geschichte eines einsamen Einrades im Geräteraum

von Claudio Hassler, Turnlehrer

"Es stand da lange Jahre. Ab und zu haben Schüler versucht, damit zu fahren. Aber nach einigen unsanften Landungen parkierten sie es wieder am bekannten Ort, dort im Geräteraum. Zwischendurch habe ich mir Gedanken gemacht, wie man dieses etwas exotische, aber verlockende Sportgerät denn einsetzen könnte. Vielleicht zur Benützung in den Pausen den Kindern zur Verfügung stellen? Aber wie, wenn ja doch niemand damit fahren kann...

Irgendwann im Herbst 2001 hatte ich dann eine zündende (wie sich später herausstellen sollte) Idee. "Ich gebe es mal einem Kind mit nach Hause und schaue, wie lange es geht, bis es ein paar Meter damit fahren kann", ging mir durch den Kopf. Gedacht - umgesetzt. Beim ersten Versuch war der Erfolg nicht berauschend, auch nach einer Woche sah das noch nicht wirklich nach Einrad fahren aus. Ein zweites Mädchen schlüpfte in die Rolle des Versuchskaninchens. Und siehe da: die kurvte schon nach wenigen Tagen munter durch die Turnhalle!

So legte ich die "Mietzeit" auf eine Woche fest. Aber ein Einrad und 253 Schüler mal eine Woche...
Ach ja in der oberen Halle gab's auch noch ein verlorenes, leider nicht mehr ganz fahrtüchtiges Einrad. Aber es kam noch schlimmer: Pedale gebrochen, Sattel vom vielen Umfallen zerfetzt, keine Luft im Pneu, Ventil kaputt. Langsam wurde ich zum Velomechaniker.

Eines Tages machten wir einen kleinen Ausflug auf allen möglichen Rädern: Inlineskates, Kickboards, Skateboards, MBX's etc. und das eine Mädchen kam eben mit dem nicht mehr ganz so einsamen Einrad.

Auf der Oberen Au beim Lunapark sah uns ein ehemaliger Zirkusartist und bot uns 2 seiner Einräder zum Kauf an, weil sie eh schon lange unbenutzt in seinem Keller stünden (...das kenne ich doch von irgend woher?!?) Vorgeschlagen - gekauft!

Apropos im Keller stehen, genau! Da gibt es doch Internetseiten, auf denen die Leute Sachen anbieten, die sie nicht mehr gebrauchen, weil sie schon lange unbenutzt im Keller stehen. Gesucht - gefunden. "Unterem Schibützu im Ganghangeramoos im Hinterämmitau" stand eines. Nun hatten wir schon 5. Eines zwar ein Hochrad, damit war das Stürzen noch unangenehmer und erst das Aufsteigen; also hatten wir eigentlich 4. Nur bei den meisten waren die Sättel zu hoch und die neuen Sattelstützen vom Athleticum passten nicht. Wenigstens waren es Einräder. Und gar nicht mehr so einsame!

Nun wollten die Kinder dem "Publikum" zeigen, was sie gelernt hatten, also erfand ich die Einrad-Tour. Alle die gelernt hatten, Einrad zu fahren, durften am Ende des Schuljahres vom Schulhaus Barblan in die Stadt und zurückfahren. Natürlich mit Zwischenverpflegung. Im ersten Jahr kamen gerade mal 3 Mädchen. Nach 100 m lag die eine schon in einer Blumenrabatte. Kurze Zeit später lag die zweite flach und blutete fürchterlich. Die Begleiter haben sie dann verarztet und letzlich kamen wir alle wieder im Schulhaus an. Ein Einrad ist den Strapazen leider auch zum "Opfer" gefallen. Ins "Ziel" gefahren sind nur deren 2!

Heute 4 Jahre später können im Schulhaus Barblan ca. 50 (!) Kinder Einrad fahren, seit einem Monat sogar inklusive Turnlehrer...

Ich habe eine kleine Werkstatt eingerichtet, wo ich tolle, farbige Einräder zusammenstelle, die man mieten (1.50 pro Woche) oder auch kaufen kann. Es gibt schwarze mit gelbem Sattel und rotem Pneu, pinkige mit grünem Sattel oder "Vollschwarze". Die Räder gehören heute der Schule. Mit der Miete können wir Reparaturen bezahlen, oder neue Räder kaufen.

Der tolle pädagogische Nebeneffekt: was die Schülerinnen und Schüler an Gleichgewichtsschulung und koordinativem Training freiwillig absolvieren, könnten wir im Turnunterricht nur zu einem Bruchteil fördern!

Computer und Games hin oder her, wenn's animiert und cool ist, bewegen sich Kinder noch immer gerne. und schaut mal, wieviel Spass das gemacht hat!!"

aus Churer Schulzeitung Ausgabe September 2005

http://www.churerschulzeitung.ch


Mehr Freizeit für Kinder

Bern - Kinder brauchen mehr unverplante Zeit und mehr Räume, in denen sie sich austoben können, appellieren Experten für Kinderfragen an Eltern und Staat. (bsk/sda)


Die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) appelliert an die Erwachsenen und den Staat, diesem Bedürfnis Rechnung zu tragen.

Die EKKJ hat am Freitag im Bundeshaus ihren Bericht «...und dann ist der Tag vorbei! Freie Zeit, Freiraum und Bewegung für Kinder und Jugendliche» vorgestellt. Der Bericht zieht die Schlussfolgerungen aus einer Tagung zum Thema «Freiräume» vom Herbst 2004 in Biel.

Bewegungsarmut und Stress

Spiel und Bewegung im Freien gehörten zu den Grundbedürfnissen von Kindern, hält die Kommission fest. Schon Vier- und Fünfjährige brauchten Zeit ohne ständige Beaufsichtigung. Mit dem Alter nehme dieses Autonomiebedürfnis zu. Zeit für sich zu haben, sei heute aber gar nicht so leicht - nicht einmal für Kinder.

Zum einen werden die Kinder immer stärker durch Aktivitäten beansprucht, die ihre Eltern als nützlich für das schulische und soziale Fortkommen erachten. Zum andern schränken Verkehr, Überbauungen und kommerziell genutzte Flächen den öffentlichen Raum zusehends ein. Die Folge: Bewegungsmangel und Stress führen schon bei jungen Menschen zu gesundheitlichen Probleme.

Umdenken nötig

Für EKKJ-Präsident Pierre Maudet zwingt dies in erster Linie die Erwachsenen zu einem Umdenken. Vor allem die Verantwortlichen für Raum- und Siedlungsplanung, Verkehr, Arbeitszeitgestaltung, Erziehung, Sport, Gesundheitsförderung und Integration stünden vor der schwierigen Aufgabe, ein gesundes Gleichgewicht zu finden.

In diesem Sinne richtet die EKKJ eine Reihe von Empfehlungen an Behörden, Eltern und Lehrer wie auch an Vereine und Institutionen die sich für Kinder einsetzen. Neben familiengerechten Arbeitszeiten und mehr unverplanter Zeit verlangt sie unter anderem «Räume zum Erobern» und eine «geschlechterspezifische Gestaltung des öffentlichen Raums».

Mindestens drei Stunden Schulsport

Die Kantone werden aufgefordert, das Minimum von drei Wochenstunden Sport in der Schule zu verwirklichen. Zudem soll der Bund den an der Ministerkonferenz der Weltgesundheitsorganisation WHO 2004 in Budapest beschlossenen «Aktionsplan zur Verbesserung der Umwelt- und Gesundheitsbedingungen der Kinder» umsetzen.

10.9.05 Quelle: www.news.ch


Kinder brauchen fünf Stunden Sport pro Woche

Der Baspo Direktor Matthias Remund ist für ein 5-Stunden-Sport-Obligatorium pro Woche wie er im Interview mit der Sonntagszeitung erklärte. Er will dieses Anliegen bei der Revision des Bundesgesetzes zur Sportförderung einfliessen lassen.

Zitiert aus der Sonntagszeitung vom 14.8.05

"Der neue Baspo-Direktor Matthias Remund ist alarmiert über dicke Kinder

von Christoph Lauener und Simon Bärtschi

Seit April 2005 leitet Matthias Remund, 42, das Bundesamt für Sport (Baspo). Der höchste Schweizer Sportbeamte kündigt Massnahmen an gegen die «alarmierende» Zahl übergewichtiger und unsportlicher Kinder.

Das offizielle Ziel des Bundes ist es, jedes Jahr 70 000 Leute zusätzlich für Bewegung und Sport zu motivieren. Gelingt das?

Bisher ist es uns nicht gelungen. Immerhin konnten wir den Zuwachs an Inaktiven stoppen; es sind heute rund 20 Prozent, die sich nicht körperlich betätigen. Weitere 27 Prozent sind trainiert und damit fit. Zwei Drittel der Bevölkerung bewegen sich zwar, aber zu wenig. Diese Gruppe werden wir in Zukunft ganz gezielt ansprechen.

Wie zum Beispiel?

Heute gibt es schon Projekte wie «Allez hop», lokale Bewegungs- und Sportnetze, active-online, Schule bewegt, Jugend + Sport und so weiter. Neu planen wir Massnahmen mit dem Ziel, die Massen zu bewegen. Wir werden zum Beispiel grosse Arbeitgeber ermuntern, firmeninterne «Olympische Spiele» zu veranstalten. Der Mehrwert Sport treibender Mitarbeitender ist offensichtlich: Sie sind leistungsfähiger, gesünder, haben mehr Selbstvertrauen und Ausdauer. Die Swisscom hat dies mit grossem Erfolg getan und plant eine Wiederholung.

Sie könnten die Leute ja mal schocken, statt sie mit Sport-ist-gesund-Phrasen einzuschläfern.

Es ist uns noch nicht gelungen, die nötige Aufmerksamkeit zu erzielen. Die mangelnde Bewegung muss im nächsten Jahr in der Schweiz zum Megathema werden. Das Baspo wird in der Kommunikation die Führung übernehmen. Wir werden mit einprägsamen Bildern arbeiten, die aufrütteln.

Schocks sind dringend nötig. Bereits sind 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig.

Ja, das ist alarmierend. Vor 30 Jahren war es noch völlig anders. Die Auswirkungen sind fatal. So hat etwa die Stadt Biel die Veloprüfungen abgeschafft, weil die Kinder wegen motorischer Defizite nicht mehr Velo fahren können.

Beim Schwimmen ists noch schlimmer. Wieso können Kinder nicht mehr schwimmen?

Dafür gibt es viele Gründe. Die Lehrer gehen weniger schwimmen, weil sie Angst haben. Wegen des Spardrucks gibt es pro Schwimmklasse immer mehr Kinder. Das ist nicht ungefährlich.

Was heisst das für Sie?

Wer von Berufs wegen mit Kindern ins Wasser geht, muss zwingend über ein Lebensrettungsbrevet verfügen und damit über Gefahren des Wassers geschult sein. Da haben wir vielerorts in der Lehrerausbildung eine Lücke.

Die Kinder werden immer unsportlicher, immer dicker. Jetzt wollen die Kantone auch noch das vorgeschriebene Minimum von drei Turnlektionen pro Woche abschaffen.

Es sind rund ein Viertel der Kantone, die den Mehrwert des Turn- und Sportunterrichts negieren und dort den Sparhebel angesetzt haben. Meines Erachtens eine kurzfristige Denkweise. Für uns kommt eine Kürzung oder gar Streichung nicht in Frage. Unsere Kinder und Jugendlichen benötigen nicht drei Stunden pro Woche, sondern täglich eine Stunde Sport und Bewegung.

Wie wollen Sie das realisieren?

Ich werde diese Forderung bei der Revision des Bundesgesetzes über die Förderung von Turnen und Sport einbringen. Die zusätzlichen Bewegungsstunden können auch in den übrigen Lehrplan integriert werden. Wichtig ist auch, was rund um die Schule an Sport und Bewegungsmöglichkeiten angeboten wird. Wir haben mit der Erziehungsdirektorenkonferenz das Gespräch aufgenommen.

Die Kantone klagen schon jetzt über fehlende Infrastruktur fürs Turnen. Wie sollen da fünf Lektionen möglich sein?

Uns ist klar, das Infrastruktur kostet. Aber man muss innovativ sein. Turnlektionen müssen nicht in der Halle stattfinden, man kann im Wald spielen, laufen oder auf Entdeckungsreise gehen. Wir brauchen keinen Unterricht, in dem der Lehrer aufs Tamburin klopft.

Muss denn wirklich der Staat befehlen, wie viel geturnt wird?

Es geht nicht um befehlen. Es geht darum, Lücken in der Bewegungs- und Sporterziehung der Kinder zu füllen. Ausserdem stehen die Kantone unter Spardruck, und da hört das langfristige Denken auf. Sportförderung ist aber eine Langfristinvestition. Es wäre ein Risiko, wenn sich der Staat zurückzöge. Die Quittung erhielte der Staat Jahre später mit stark ansteigenden Krankheitskosten.

Fünf Lektionen pro Woche: Gibt es diesbezüglich Erfahrungen?

Die Provinz Alberta ist beispielhaft. Um der Entwicklung zu immer mehr dicken, unbeweglichen und motorisch behinderten Kindern entgegenzuwirken, wurde in den Schulen eine halbe Stunde Bewegung täglich eingeführt. Studien zeigen, dass die Kinder in den kognitiven Fächern nicht schlechter abschneiden als vorher.

Sie sind gut 100 Tage im Amt. Ihre erste Bilanz?

Man sprach schon früher immer vom «Magglinger Geist» den habe ich angetroffen. Wir haben sehr motivierte Mitarbeiter und unzählige gute Projekte, um den Sport in der Schweiz zu fördern. Darüber hinaus geniessen wir obwohl Bundesamt viel Freiheit und können etwas bewegen."

Sonntagszeitung vom 14.8.05
www.sonntagszeitung.ch