Pressespiegel rund um den Schulsport 2008



:: Baspo-Studie untersucht Sportverhalten von 10- bis 14 Jährigen

:: Täglich eine Stunde Sportunterricht verbessert die Leistungs- und Koordinationsfähigkeit von Kindern

:: Graubünden bewegt die Bevölkerung

:: Studie der Uni Ulm bestätigt: "Laufen macht schlau"



BASPO-STUDIE UNTERSUCHT SPORTVERHALTEN VON 10- BIS 14-JÄHRIGEN

Mit zwölf Jahren sind Kinder sportlich am aktivsten. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Auftrag des Bundesamts für Sport (BASPO) durchführte Studie, die erstmals das Sportverhalten von 10- bis 14-Jährigen unter die Lupe nahm.

Realisiert wurde die Studie "Kinder und Sport" vom Observatorium Sport und Bewegung Schweiz. Während der vergangenen zwölf Monate befragten die Forscher telefonisch 1530 Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren zu ihrem Sportengagement, wie das BASPO mitteilte.
Die wichtigsten Resultate zeigen, dass rund die Hälfte der befragten Kinder zusätzlich zu den drei obligatorischen Sportstunden in der Schule wöchentlich mehr als drei Stunden Sport treiben. Lediglich 14 Prozent dieser Altersgruppe treiben ausserhalb der Schule gar keinen Sport.
In der Kindheit nimmt die Sportaktivität zunächst kontinuierlich zu. Am Aktivsten sind die 12-Jährigen. Ab 15 Jahren geht die Begeisterung wieder zurück.
Weiter stellten die Forscher fest, dass Knaben mehr Sport treiben und häufiger Mitglied in Sportvereinen sind als Mädchen. Mit dem Alter nimmt der geschlechterspezifische Unterschied zu. Ein Grund sieht die Studie darin, dass nur ein kleiner Teil ausländischer Mädchen Sport treibt.
Einfluss auf das Sportverhalten hat auch das Bildungsniveau der Eltern. Je höher dieses ist, desto höher ist auch das Sportengagement der Kinder. Kinder aus bildungsfernen Schichten sind überdurchschnittlich oft inaktiv.
Am liebsten fahren Schweizer Kinder Velo, gehen schwimmen oder spielen Fussball. Als wichtigste Gründe für die sportliche Betätigung gaben die Kinder Spass, Gesundheitsförderung und Geselligkeit an.
Der Kinder- und Jugendbericht ist eine Ergänzung zur Studie "Sport Schweiz 2008", die im April veröffentlicht wurde. 10 000 Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren gaben dafür Auskunft über ihr Sportverhalten.

Quelle: 09.11.2008 sda

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Täglich eine Stunde Sportunterricht verbessert die Leistungs- und Koordinationsfähigkeit von Kindern

Bereits die relativ einfache Methode eines täglichen Schulsportunterrichts hat positive Effekte auf die körperliche Leistungsfähigkeit und die motorischen Fähigkeiten von Schulkindern, berichtet Dr. Claudia Walther (Universität Leipzig, Herzzentrum, Abteilung für Kardiologie) auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in München.

Im Rahmen einer Studie hatte sie 333 Kinder aus elf Klassen der 6. Jahrgangsstufe von Schulen aus Leipzig und Umgebung untersucht. Fünf Klassen behielten den regulären Sportunterricht von zwei Stunden pro Woche bei, sechs Klassen erhielten für ein Schuljahr zusätzlichen Sportunterricht von täglich einer Stunde. Alle Kinder wurden zu Beginn und am Ende des Schuljahres eingehend untersucht. Fazit: Täglicher Schulsportunterricht führt zu einer signifikanten Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit um 20 Prozent gemessen anhand der maximalen Sauerstoffaufnahme, im Vergleich zu einer 10-prozentigen Verbesserung der Leistungsfähigkeit bei Kindern mit konventionellem Sportunterricht. Der motorische Quotient (MQ), ermittelt anhand des Körperkoordinations-Tests für Kinder (KTK), verbesserte sich bei Schülern der Interventionsgruppe von 108,7 auf 115,8 und bei Schülern der Kontrollklassen von 107,8 auf 112,2.

Ziel des Leipziger Schulprojekts ist es, durch zusätzlichen Sportunterricht die körperliche Fitness und Aktivität von Schulkindern zu steigern, einen gesundheitsbewussten Lebensstil zu lehren und gegebenenfalls eine vorhandene Übergewichtigkeit zu korrigieren.

Bis zu 25 Prozent der europäischen Schulkinder werden heutzutage als übergewichtig eingestuft, die Tendenz ist weiter steigend. Gleichzeitig wird eine Zunahme der Adipositas-assoziierten Begleiterkrankungen wie metabolisches Syndrom, Diabetes mellitus und andere chronische Erkrankungen bis hin zur Atherosklerose im Kindesalter beobachtet. Dr. Walther: "Die kindliche und jugendliche Adipositas kann aber auch Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter hinein haben, da man beobachtet hat, dass Übergewichtigkeit im Kindesalter mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch zu Übergewichtigkeit im Erwachsenenalter mit den assoziierten Begleiterkrankungen und Risikofaktoren führt." Um Kinder und Jugendliche auf breiter Basis anzusprechen und in ein geeignetes Programm einzubeziehen, bieten sich insbesondere Kindergärten, Schulen und Universitäten an, empfiehlt Dr. Walther.

Quelle: 31.08.2008 http://idw-online.de/pages/de/news275827

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Graubünden bewegt die Bevölkerung

Mit dem Programm graubünden bewegt reagiert der Kanton Graubünden auf die Zunahme an übergewichtigen Kindern und Jugendlichen. Für Kleinkinder, im Kindergarten und in der Schule werden Bewegungs- und Ernährungsprojekte realisiert. Zudem soll das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung mit der Informationskampagne „Bisch fit?“ gestärkt werden.

graubünden bewegt wird in Zusammenarbeit mit Gemeinden und Schulen in Graubünden ab November 2008 in einer ersten Projektphase sechs Projekte umsetzen. Das Programm gri-gioni in movimento/grischun en moviment/graubünden bewegt läuft bis ins Jahr 2011. Es ist ein Programm des Kantons Graubünden in Zusammenarbeit mit Gesundheitsförderung Schweiz. Unter der Leitung des Gesundheitsamts Graubünden engagieren sich das Amt für Volksschule und Sport sowie ZEPRA Prävention und Gesundheitsförderung für ein gesundes Körpergewicht in Graubünden.

14 Prozent übergewichtige Kinder
Gemäss einer eigens vom kantonalen Gesundheitsamt durchgeführten Bestandesaufnahme bei 1'200 Schulkindern in Graubünden (1. bis 9. Klasse) ist jedes 7. Kind (14 Prozent) übergewichtig. Jedes 27. Kind (knapp 4 Prozent) leidet an starkem Übergewicht (Adipositas). Je tiefer das Bildungsniveau der Eltern desto häufiger sind die Kinder übergewichtig. Ebenso sind ausländische Kinder mehr betroffen. In der Oberstufe leiden junge Männer deutlich häufiger an Übergewicht als junge Frauen. Die repräsentative Datenerhebung wurde im Mai und Juni 2008 in der Agglomeration Chur und der ländlichen Region Engadin, Münstertal und Puschlav durchgeführt und wissenschaftlich ausgewertet. Im Engadin und den Südtälern ist das Problem geringer als in der städtisch geprägten Agglomeration Chur. Mittels Grösse und Körpergewicht wurde der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) ermittelt. Ergänzend sind die Schulkinder nach Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten befragt worden. Mit dem „BMI-Monitoring“ werden in vier Jahren die Veränderungen der Gewichtsituation überprüft und mit Erhebungen in der übrigen Schweiz verglichen.

Rechtzeitig handeln
In Graubünden leiden die Kinder seltener an Übergewicht als in den Städten Basel, Bern und Zürich. Zudem bewegen sie sich mehr und essen ausgewogener. Trotzdem möchte die Bündner Regierung rechtzeitig handeln. Sie will den negativen Trend zu immer mehr übergewichtigen Kindern und Jugendlichen stoppen. Gesundheitsbewusstsein, Bewegung und Ernährung sind die Stichworte dazu: Bewegungskultur und Bewegungsfreude sowie ein aktiver Lebensstil mit regelmässiger Bewegung und ausgewogener Ernährung sollen vom Programm graubünden bewegt gefördert werden. Für die Umsetzung der Bewegungs- und Ernährungsprojekte in den Gemeinden stellt der Kanton Graubünden von 2008 bis 2011 fachliche Unterstützung und finanzielle Mittel zur Verfügung. Zusätzlich sind für die erfolgreiche Projektumsetzung in den Kindergärten und Schulen finanzielle und ideelle Unterstützungen durch die Gemeinden notwendig. Begleitet wird das Aktionsprogramm durch die Informationskampagne „Bisch fit?“ für die Bevölkerung. Das Gesamtbudget des Aktionsprogrammes des Kantons Graubünden und von Gesundheitsförderung Schweiz, das von der Regierung im April genehmigt worden ist, beläuft sich auf 4 Millionen Franken.

Angebote für die Gemeinden
graubünden bewegt startet mit sechs konkreten Projekten für Kleinkinder, Kindergärten, Schulen sowie Freizeit. Die 350 Beauftragten für Gesundheitsförderung und Prävention in Schulen und Gemeinden sind aufgerufen, diese Grundangebote des Programms zu nutzen und in ihren Gemeinden zu realisieren. An vier Regionalkonferenzen werden sie detailliert über die Inhalte informiert: Das Angebot „Purzelbaum“ richtet sich an Kindergärten und bietet eine Grundausstattung zur Bewegungs- und Sportförderung in allen Kindergärten. Der „Pau-senkiosk“ für die gesunde Zwischenverpflegung an Schulen wird mit finanziellen Anreizen gefördert und durch Informationen und Beratung ergänzt. Generell werden in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Krippen oder Mittagstischen ausgewogene Verpflegungsangebote angestrebt. „GKB-SPORTKIDS“ ist ein bestehendes Programm für Kleinkinder. Die bereits existierenden 26 Trainingsorte sollen durch neue erweitert und die Finanzierung, Administration, Leiterweiterbildung und Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien sichergestellt werden. Das Angebot „Elternbriefe“ informiert zusammen mit pro juventute Eltern von Kindern im 5./6. Altersjahr über Bewegung und Ernährung. Zudem sollen die Gemeinden mit dem Angebot „Bewegungsräume“ motiviert werden, ein Gemeindesportstättenkonzept (GESAK) zu erarbeiten und auch umzusetzen. Zu den Bewegungsräumen gehören auch Spielplätze, attraktive Schulhausplätze, zugängliche Turnhallen, sichere Fahrradwege usw. Lokale „Bewe-gungs-Events“ für die Bevölkerung runden den Programmstart ab. In einer nächsten Phase sind noch neun weitere Projekte geplant.

Weitere Informationen: www.graubünden-bewegt.ch

Quelle: 22.08.2008 Gesundheitsamt GR

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Studie der Uni Ulm bestätigt: "Laufen macht schlau"

Die Pilotstudie vor drei Jahren trug noch ein Fragezeichen: "Macht Laufen schlau?" fragten sich damals Wissenschaftler der Universität Ulm. Jetzt, nach den am Donnerstag veröffentlichten Ergebnissen der Hauptstudie, ist das Fragezeichen endgültig verschwunden.

"Sport macht das Gehirn effektiver", bestätigt Professor Manfred Spitzer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie III der Universität Ulm und Leiter des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL). Sanna Stroth, inzwischen in Düsseldorf tätige frühere Wissenschaftlerin am ZNL, und Dr. Ralf Reinhardt, Dozent an der Akademie für Gesundheitsberufe des Uni-Klinikums Ulm, hatten die Studie geleitet. Daran beteiligt waren in der Anfangsphase mehr als 100 Probanden. 77 hatten bis zum Ende durchgehalten.

"Wir konnten jetzt zum ersten Mal zeigen, dass ganz bestimmte geistige Leistungen direkt vom Sport profitieren", sagt Spitzer. Belegt worden sei vor allem, dass damit manche Reize schneller und effektiver verarbeitet werden. Stroth und Reinhardt zufolge bewirken schon sechs Wochen intensives Lauftraining deutliche Verbesserungen vor allem in den Bereichen "visuell-räumliches Gedächtnis", "Konzentrationsfähigkeit" und "positive Stimmung", erwiesen bereits im Rahmen der Pilotstudie.

Deutlich aussagefähiger sind naturgemäß jetzt die Ergebnisse der um zusätzliche psychologische Tests, Messungen der elektrischen Aktivitäten des Gehirns sowie genetische und molekularbiologische Aspekte erweiterten Hauptstudie. Einem auf 17 Wochen mit jeweils drei Einheiten ausgedehnten Trainingsprogramm dazu, konzipiert übrigens im Rahmen einer Bachelor-Arbeit am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Karlsruhe (TH).

Demnach erzielte die sportliche aktive Probandengruppe damit eine deutliche Verbesserung des räumlichen Vorstellungsvermögens. Noch bemerkenswerter freilich, so die Autoren der Studie: Genetisch bedingte Nachteile beim Abbau des für die Leistungsfähigkeit des Gehirns wichtigen Dopamin-Spiegels infolge geistiger Anstrengungen können durch sportliche Aktivitäten ausgeglichen werden. Auch die EEG-Untersuchungen belegten "einen eindeutigen Zusammenhang zwischen körperlicher Fitness und hirnelektrischen Prozessen". Konkret: "Fittere Probanden zeigen eine schnellere und effizientere Reizverarbeitung", berichten Dr. Ralf Reinhardt und Sanna Stroth.

Letztere machte indes bei der Vorstellung der Studie ebenfalls deutlich: "Das Potential des Gehirns lässt sich durch Ausdauertraining steigern, aber nur Laufen reicht auch nicht." Am Lernen führe jedenfalls kein Weg vorbei. Wobei ohnehin das räumliche Vorstellungsvermögen mehr von den körperlichen Aktivitäten profitiere als die verbale Merkfähigkeit etwa. Vokabeln lernen gelinge mithin selbst durch Laufen nicht unbedingt besser. Offen sei dagegen nach wie vor, welche Bewegungsformen die geistige Leistungsfähigkeit besonders verbessern, ebenso die optimale Dauer der Aktivitäten. Konsequenzen aus ihren Erkenntnissen für die Schulpolitik und Unterrichtsgestaltung sind aus Sicht der Wissenschaftler gleichwohl angebracht. Reduzierte oder gar ausfallende Sportstunden jedenfalls seien hier der falsche Ansatz.

Quelle: 18.4.08, idw
http://idw-online.de/pages/de/news256286